Im Interview
Die Ausgangslage ist ganz sicher eine andere. Entscheidend ist, dass es heute wieder ein Miteinander zwischen Stadtverwaltung und Politik gibt. In der Stadtverwaltung und im Stadtrat haben wir eine gute Basis, ein ruhigeres Fahrwasser, um gemeinsam endlich wieder effektiv arbeiten zu können. Das ist in vielen Bereichen, auf die wir sicherlich noch zu sprechen kommen, schon spürbar. Viele wichtige Weichen wurden gestellt.
Das ist in erster Linie meine Erfahrung, dass unglaublich viel Kraft und kreatives Engagement in dieser Stadt Leer steckt, vor allem in den Vereinen oder in den Initiativen. Es gibt sie tatsächlich noch, die Gemeinschaft, auf die man zählen kann.
Herausragend waren zum Beispiel die Feierlichkeiten zu „200 Jahre Stadtrechte“ 2023. Das war unfassbar, was da aus der Mitte der Gesellschaft auf die Beine gestellt wurde. Ich erinnere mich an mehr als 100 einzelne Veranstaltungen. Das war unglaublich, hat mir Mut gemacht und Zuversicht gegeben.
Zuversichtlich macht mich auch die breite politische Unterstützung für meine Kandidatur durch SPD, CDU, Grüne und FDP. Das gab es bisher in der jüngeren Geschichte der Stadt Leer so nicht.
Als Erstes fällt mir dazu die Schulbau-Offensive ein, die Politik und Stadtverwaltung gemeinsam auf den Weg gebracht haben – mit dem Ergebnis, dass alle unsere Grundschulen seit August 2026 verlässlich sind. Das war eine Mammut-Aufgabe. Aber: Es ist schon ein großer Schritt getan, es sind aber in den nächsten Jahren noch viele weitere Schritte zu gehen.
Des Weiteren gab es in der gesamten Stadt Leer 2021 keine einzige Gewerbefläche mehr. Heute haben wir speziell in Nüttermoor wieder genügend geschaffen – sicher auch dank Fördermitteln, für die die Stadt dankbar ist. Leer ist attraktiv für Gewerbeansiedlungen.
Neue Unternehmen sind wichtig für die Stadt, ebenso geht es darum, bestehenden Firmen die Möglichkeit für Erweiterungen und Entwicklungen bieten zu können. Ich mache keinen Hehl daraus, dass wir bei der kommunalen Finanzlage auf Gewerbesteuern angewiesen sind, um Leer für die Zukunft in jederlei Hinsicht weiterhin gut aufstellen zu können.
Die Hausaufgaben sind gemacht. Im Prinzip geht es in den nächsten Jahren darum, die vielen Projekte, die sich in der Pipeline befinden, auch umzusetzen. Die Stadt hat die Initiative ergriffen und Voraussetzungen dafür geschaffen, dass neben vielen privaten Investoren oder zum Beispiel der genossenschaftlich organisierte Bauverein nach und nach die Pläne für mehr als 2000 Wohneinheiten voranbringen können. Für einen ordentlichen Anteil sorgt dabei auch die städtische KWL, also die Kommunale Wohnungsverwaltung Leer, und das bei einem äußert schonenden Flächenverbrauch. Sie zeigt, dass es wichtig war, dass die Stadt Leer ihren Wohnungsbestand vor einigen Jahren nicht verkauft hat, sondern nun selbst das Heft des Handelns in der Hand hat. Die Verwaltung ist beim Thema Wohnungsbau in erster Linie gehalten, die Prozesse – auch dank des Bau-Turbos – schlank zu halten und zu beschleunigen. Dafür sorgt ein engagiertes und verlässliches Team im Rathaus. Die Aufgabe des Bürgermeisters gemeinsam mit der Politik besteht darin, Tempo zu machen, beziehungsweise Bremsklötze zu entfernen.
Vorab ist es in den vergangenen Jahren gelungen, ein klares Bild von der städtischen Finanzlage zu gewinnen. Bei den Jahresabschlüssen galt es, einen Rückstand aufzuholen, was dank einer sehr guten Leistung der Kämmerei gelungen ist. Wir wissen nun, wie der Ist-Zustand ist. Das ist die Voraussetzung, um überhaupt klare Entscheidungen treffen zu können.
Zu den Ansätzen: Eines habe ich schon erwähnt. Die Gewerbesteuer ist ein Schlüssel zum Erfolg. Da sind die Wege geebnet, um auch weitere Ansiedlungen nach Leer zu holen. Wir müssen aber auch die Entwicklungen bereits bestehender Betriebe in Leer immer im Auge behalten. Gleichzeitig müssen wir mit Blick auf die Ausgaben sehr wirtschaftlich arbeiten. Prestige-Projekte können wir uns derzeit kaum leisten.
Erstmal müssen wir durch harte Arbeit dafür sorgen, dass wir irgendwann auch dazu wieder in der Lage sein werden, uns größere Sprünge erlauben zu können. Jetzt geht es darum, Prioritäten zu setzen und kreativ zu sein. Denn auch der Abbau der Schulden muss vorankommen. Das tut er. Nicht zu unterschätzen – auch das meinte ich mit dem enormen Engagement aus der Stadt – spielen Investoren, die Leer seither gut tun und die Stadt durch eigene Projekte unterstützen.
Die größten Beispiele sind in näherer Zukunft wohl die Hafenkopf-Bebauung und die neue Bebauung des Post-Geländes. Hier ist der Stillstand endlich vorbei. Die Stadt hat wichtige Vorarbeit geleistet, dass Beides jetzt beginnen kann. Ich bin sehr glücklich darüber, zumal damit ein neues Kapitel in der Stadtentwicklung geschrieben wird.
Da gibt es schon noch Einiges zu tun. Einige Themen standen in der Priorität nicht ganz oben, weil es eben noch dringlichere Vorhaben gab. Das ändert sich nun. Ich denke da zum Beispiel an die Digitalisierung, an den ÖPNV, beziehungsweise Busverkehr in Leer, oder an die Auswirkungen des Demografischen Wandels zum Beispiel mit Blick auf Personalknappheit in unserer Verwaltung. All das sind Dinge, die zumindest auf meiner To-Do-Liste nach vorne rutschen, die wir gemeinsam mit der Politik in den nächsten Jahren angehen müssen.
Richtig. Es ist aber auch schon Vieles passiert, Stichworte sind die zunehmende Festivalisierung und die Inszenierung der Innen- und Altstadt, Themen, bei denen die Stadtverwaltung eine aktive Rolle eingenommen hat. Beispiele sind der „neue“ Weihnachtsmarkt und viele weitere Feste, die für Belebung und Begeisterung gesorgt haben. Für die nähere Zukunft steht der finale Schritt der Modernisierung der Fußgängerzone im dritten Abschnitt an. Das ist die eine Aufgabe, die die Stadt vor der Brust hat. Eine andere, die allerdings schon sehr erfolgreich begonnen hat, muss unbedingt fortgesetzt werden. Durch das „Forum Innenstadt“ hat es die Verwaltung geschafft, alle für die Stadt wichtigen Player regelmäßig an einen Tisch zu holen, Ideen in verschiedenen Arbeitsgruppen zu entwickeln und zum Teil schon umzusetzen.
Sehr gefallen hat mir in diesem Sommer beispielsweise das Projekt Strandkiste – ein Holzschiff mit Strandsand gefüllt – in dem Kinder unbeschwert spielen und neben dem sich weitere Besucherinnen und Besucher auch passende Getränke servieren lassen konnten.

Foto: Gerrit Denekas
Der Friesland-Krimi hat natürlich einen enormen Werbeeffekt, da er viele Menschen zum ersten Mal in die Stadt zieht, um die Drehorte zu sehen, zum Beispiel bei einer der Dutzenden Führungen, die es in Leer gibt. Aber unabhängig vom Krimi war unsere Stadt schon vorher lebens- und liebenswert. So gesehen ist das Krimi-Projekt sicher oft der Auslöser, um Leer kennen zu lernen. Das hat uns sicherlich gut in die Karten gespielt.
Beim zweiten und jedem weiteren Mal kommen die Menschen dann schon eher, weil sie die Stadt mit der Altstadt und dem Hafen überzeugt hat. Die Übernachtungszahlen steigen seit Jahren. Ich bin mir sicher, dass in den nächsten Jahren das eine oder andere zusätzliche Hotel in Leer eröffnen wird.
Besucherinnen und Besucher, Touristen sind eine große Chance für uns, da hier natürlich viel Geld in den Geschäften oder Restaurants hängen bleibt. Hier dürfen wir die Hände nicht in den Schoß legen. Es wird deutlich, dass hier die Themen ineinandergreifen: Gerade hatten wir das „Forum Innenstadt“ mit dem gemeinsamen Bestreben, für eine attraktive Innenstadt zu sorgen, angesprochen. Das ist ein wichtiger Schritt mit vielfacher Wirkung. Dass die Stadt diese Vorhaben mit einem Innenstadtfonds unterstützt, ist der richtige Weg.
Ich bin begeistert davon, was die Kolleginnen und Kollegen der Stadtwerke hier in Abstimmung mit der Stadtverwaltung möglich gemacht haben. Dadurch, dass wir jetzt ein modernes Terminal haben, sind die Bedingungen noch einmal deutlich besser geworden. Das ist durchaus ein nicht unerheblicher Faktor, wenn mehr als 30 Schiffe hier pro Jahr Tausende Touristen nach Leer bringen. Nicht zu vergessen ist der Klimaschutz-Effekt. Ab sofort müssen die Schiffe nicht mehr den zudem lauten Dieselmotor laufen lassen, sondern klemmen sich einfach an das Stromterminal. Das ist vorbildlich und sucht in der Region seines Gleichen.
Alle beneiden uns um unseren Freizeithafen – zum Beispiel mit dem historischen Dampfschiff „Prinz Heinrich“. Das macht Leer in touristischer Hinsicht einzigartig. Gleichzeitig ist der Hafen das größte Gewerbegebiet in der Stadt. Anders als im Freizeithafen, der das Zentrum des städtischen Lebens in Leer ist, passiert im etwas abgelegenen Industriehafen Vieles im Verborgenen. Viele Menschen wissen leider gar nicht, für welch große Wertschöpfung die vielen Anrainer hier sorgen.
Sichtbar sind oft nur die bis zu drei Stapelläufe von großen Schiffen der Ferus-Smit-Werft pro Jahr. Der Standort ist mit Umschlag per Schiff, Bahn und Lkw trimodal – das ist ein enormer Wettbewerbsvorteil.

Erstmal möchte ich sagen, dass ich sehr stolz bin, dass wir seit geraumer Zeit einen neuen ZOB am Bahnhof haben. Das war ein großer Kraftakt, der sich sehen lassen kann. Eine weitere positive Entwicklung ist, dass die Stadtbuslinien auf Wunsch aus der Politik an den Sonnabenden kostenfrei genutzt werden können. Das sind Stellschrauben, an denen wir schon gedreht haben.
Was noch fehlt ist der große Wurf an dem konkreten Verlauf der einzelnen Linien durch die Stadt, an der Taktung und an den einzusetzenden Fahrzeugen. Der heutige ÖPNV in Leer ist definitiv nicht die beste Lösung. Wir müssen den Stadtbusverkehr neu denken. Was sind die Ansprüche der Nutzerinnen und Nutzer? Im Ergebnis müssen wir weg von starren Fahrplänen und dem Linienverkehr und ihn bedarfsgerecht ausbauen. Auch verschiedene Bussysteme müssen in den Überlegungen eine Rolle spielen. E-Busse sind möglich. Flexible Rufbusse können im klassischen Nahverkehr eine ergänzende Option sein.
Ja, das war für mich ein sehr trauriger Tag. Wir haben über die Jahre eine besondere Freundschaft entwickelt. Er war ein Mensch, der mich sehr bewegt hat und vor dem ich großen Respekt hatte. Mich so oft mit ihm treffen zu können, habe ich als Glück und Privileg empfunden. Es ist sehr erfreulich, dass es der Stadt gelungen ist, nach mehr als 20 Jahren des Stillstands und der Ablehnung endlich eine Lösung mit dem Eigentümer der Fläche der ehemaligen Synagoge in Leer zu finden, diesen Ort zu einem würdigen Ort des Gedenkens zu machen. Das unterstütze ich mit all meiner Kraft. Es war das Herzensanliegen von Albrecht Weinberg und jetzt ist es meines.
Das ist sicherlich eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die es gilt, auf allen Ebenen zu erfüllen. Es geht nicht nur um Berlin und Hannover. In unserer Macht steht es, in Leer durch gute Politik zu überzeugen und dabei alle Bürgerinnen und Bürger mitzunehmen. Die politische Arbeit an der lokalen Basis spielt eine entscheidende Rolle. Wir müssen die Sorgen und Nöte der Bürgerinnen und Bürger ernst nehmen. Mir geht es so wie Albrecht Weinberg, der Leer nach seiner Rückkehr aus Amerika als tolerante und bunte, vielfältige Stadt lieben gelernt hat. Dafür steht Leer. Und dafür werde ich mich – ob privat oder im Amt – immer einsetzen. Für rechte Tendenzen ist in Leer kein Platz.

Foto: Gerrit Denekas
Eine Vielzahl der Vereine in der Stadt sind gut aufgestellt und sorgen mit ihren Angeboten dafür, attraktiv und auf der Höhe der Zeit zu bleiben. Die Aufgabe der Stadt ist es aus meiner Sicht, das zu unterstützen und für gute Rahmenbedingungen zu sorgen. Das klappt auch in den meisten Fällen.
Beweise sind beispielsweise die vielen Erfolge, die von der Stadtverwaltung jedes Jahr bei der Sportlerehrung ausgezeichnet werden. Die sind schon mehr als beachtlich. Wir haben Deutsche Meister, Niedersachsenmeister, Olympiateilnehmer und, und, und. Nichts desto trotz geht es natürlich nicht nur um die großen Erfolge. Es geht um gemeinsame Aktivitäten und um den Zusammenhalt der Gesellschaft.
Das ist ähnlich wie bei den Vereinen. Ich finde, wir haben eine sehr lebendige Kulturszene in Leer – in der ich um das auch mal zu sagen, immer wieder mit meiner Familie auf meine Kosten komme. Ich bin beispielsweise sehr angetan von den Machern des Zollhauses, die sich – was ihre Arbeit betrifft – immer wieder neu erfinden und es schaffen, tolle Angebote in die Stadt zu holen. Auch hier weiß ich, dass die Fördermittel der Kommune ein wichtiger Faktor sind, ohne die es schwer werden würde. Das Zollhaus und viele weitere kulturelle Einrichtungen sind für die Stadt unbezahlbar! Ich denke auch an die vielen Chöre in Leer. Oder: Welche Stadt kann schon von sich behaupten, ein Sinfonieorchester zu haben.
Der Begriff Kultur hat aber natürlich unterschiedliche Bedeutungen. Als Erstes denke ich bei Kultur immer auch an unser Fest der Kulturen. Wenn es das nicht bereits gäbe, müsste man es ganz dringend erfinden. Dieses Fest zeigt auf eine sehr lebendige Art und Weise, wie viele Kulturen und Nationen bei uns friedlich miteinander in der Stadt leben. Das ist sicherlich eine Errungenschaft, die mich stolz macht – aber gleichzeitig auch ein Auftrag, dafür zu sorgen, dass es so bleibt.
Es ist weltweit offensichtlich, dass die Wetter-Katastrophen zunehmen. In Deutschland haben wir im Juni neue Hitzerekorde aufgestellt. Das zeigt, dass die Uhr immer schneller tickt. Die Stadtverwaltung steuert gemeinsam mit den Stadtwerken seit Jahren gegen. Es liegen neue Konzepte vor.
Im Kern geht es zum einen darum, Starkregen-Ereignissen noch mehr vorzubeugen – durch weitere Regenrückhalte-Optionen und Speicherkapazitäten.
Was das zweite wichtige Thema Hitze betrifft: Die Stadt muss schnell weitere sogenannte Kälteräume oder Kaltluft-Schneisen schaffen oder zusammen mit den Stadtwerken Trinkwasserzapfstellen in öffentlichen Räumen vorhalten. Diese Thematik ist aus meiner Sicht die größte Herausforderung der nächsten Wahlperiode und sicherlich darüber hinaus.
In der Tat ist hier schon Vieles passiert. Es war eine gute Entscheidung, dem Pkw- und dem Radverkehr in der Innenstadt die gleiche Bedeutung beizumessen. Beispielsweise durch den radfahrgerechten Ausbau des Innenstadtrings. Auch die Radstation am Bahnhof ist ein Meilenstein. Jetzt muss es weitergehen.
Ich unterstütze das Vorhaben, eine neue Radfahrbrücke über die Leda direkt neben der Eisenbahnbrücke, bauen zu lassen. Damit könnten die Gemeinde Westoverledingen und die Stadt Leer den Radverkehr zwischen beiden Kommunen entscheidend voranbringen. Dass die Stadtwerke den Ostfriesland-Wanderweg im kompletten Stadtgebiet wieder auf Vordermann gebracht haben, war in diesem Jahr ein wichtiges Projekt.

Zunächst zu den städtischen Straßen: Da ist in diesem Jahr gemeinsam mit den Stadtwerken mit Hilfe einer zusätzlichen Finanzierung der Straßenunterhaltung schon viel getan worden. Ziel ist es hier, weitere Offensiven zu starten, um nach Priorität gezielt noch mehr dem Verfall unserer Verkehrsinfrastruktur gegenzusteuern. Bei einer durch die Stadt Leer zu unterhaltenden Brücke haben wir zuletzt eine erleichternde Nachricht bekommen. Langfristige Untersuchungen während des laufenden Verkehrs haben offenbart, dass die Südringbrücke in einem deutlich besseren Zustand ist als befürchtet wurde. Das gibt uns Zeit, um vorzudenken, wie wir einen Neubau oder eine Sanierung zu einem späteren Zeitpunkt in der Zukunft strategisch am besten planen sollten. Diese Planungen laufen jetzt.
Ein Sorgenkind ist sicherlich die Rathausbrücke, die 2027 ihren 100. Geburtstag feiern wird. Es gilt, sie genau im Blick zu behalten und auch hier rechtzeitig, wenn es erforderlich wird, zu handeln.
Für den meisten Gesprächsstoff hat sicherlich die Ledabrücke in den letzten Jahren gesorgt. Sie ist nicht im Eigentum der Stadt Leer und wird nicht durch sie unterhalten. Hier hat die Stadt aber ihre guten Beziehungen nach Hannover und Berlin genutzt, um die für die bestehende Brücke noch notwendigen Unterhaltungsarbeiten einzufordern. Ein gutes Miteinander ist sehr hilfreich. Die Stadt konnte Gespräche initiieren, die das Ergebnis hatten, dass es nunmehr nicht nur um den Bau der neuen Brücke geht. Jetzt werden endlich auch Anstrengungen unternommen, die bestehende Brücke so lange wie möglich zu erhalten. Wäre sie abgängig, bevor die neue Brücke fertig ist, wäre das der Supergau, den es unter allen Umständen zu verhindern gilt. Für die Brücken des Stadtringes gilt das Gleiche.

Foto: Gerrit Denekas
Da gibt es ein aktuelles Beispiel in Leer, das zeigt wie es gehen kann und aus meiner Sicht auch zukünftig gehen muss: Der Jugendplatz im Julianenpark, der gerade gebaut wird, ist auf ein Beteiligungsprojekt von Schülerinnen und Schülern der Möörkenschule zurückzuführen. Da gab es tolle Anregungen, die nun im Sinne der jungen Leute umgesetzt werden. Solch thematische Beteiligungen sehe ich als effektiver an, um etwas erreichen zu können, als beispielsweise durch ein Jugendparlament. Meine Erfahrung zeigt, dass es in diesen Beteiligungsformen schnell zum Frust kommt, da die Umsetzung von Ideen sehr lange dauert oder gar nicht erfolgt.
Aber es geht nicht nur um Jugendliche, sondern auch um Kinder. Da hat die Stadtverwaltung jetzt mit der Politik entschieden, das Projekt „Kinderfreundliche Kommune“ zu starten. Aus meiner Sicht ein sehr guter Vorstoß.
Es gab vor noch nicht allzu langer Zeit einen Einsatz, bei dem ich selbst vor Ort war. Das war bei einem Brand in der Straße Unter den Eichen in Leer. Nach dieser Erfahrung hat sich meine Einschätzung noch einmal mehr als bestätigt: Unsere Feuerwehrleute leisten in Leer eine unglaublich professionelle Arbeit, die dazu führt, dass Leeranerinnen und Leeraner nachts ruhig schlafen können. Die Kameradinnen und Kameraden haben meinen allerhöchsten Respekt. Es ist für mich selbstverständlich, dass die Feuerwehr in Leer bestmöglich ausgestattet sein muss, um tags und nachts Herausforderungen – bei denen es oft um Leben und Tod geht – meistern zu können. Das betrifft Einsatzfahrzeuge, Hilfsmittel und die Ausrüstung. Nicht weniger wichtig ist es, den Nachwuchs zu fördern, also die Jugend- und Kinderfeuerwehren. Ich konnte mich schon oft davon überzeugen, dass hier richtig gute Arbeit geleistet wird. Jeder Euro ist sinnvoll investiert.
Das ist leicht zu beantworten. Ohne die Unterstützung durch meine Frau und meine Familie wäre ich nicht in der Lage, ein solches Amt so auszufüllen, wie es erforderlich ist. Gerade meine Frau unterstützt mich tagtäglich. Sie begleitet mich oft zu verschiedenen Veranstaltungen. Es gibt mir Kraft, wenn ich sie in meiner Nähe weiß. Ich habe meine Familie 2021 und auch in diesem Jahr wieder gefragt, ob ich für das Bürgermeisteramt kandidieren soll. Auch diesmal war das ein demokratischer Prozess mit eindeutigem Ergebnis: Sie steht geschlossen hinter meiner Kandidatur. Wenn das nicht so wäre, würde ich es auch nicht machen – schlichtweg deshalb, weil sich ein solches Amt nur mit voller Rückendeckung ausüben lässt.
Auch da spielt meine Familie die entscheidende Rolle. Wir sind seit vielen Jahren Camping-Fans und sind zwischendurch immer mal wieder auf einem Campingplatz, nicht weit weg von Leer. Da reicht es manchmal, auch kurzfristig nur für einen Tag oder zwei Tage auszuspannen, um den Kopf frei zu bekommen und wieder Energie zu tanken. Einen ähnlichen Effekt hat es, wenn ich in den eigenen Garten gehe. Da kann ich mich stundenlang austoben, wenn ich auf andere Gedanken kommen möchte.
Die Stadt Leer zu entwickeln, ist eine Riesen-Herausforderung, die es gemeinsam mit der Politik zu meistern gilt. Das ist auf der einen Seite ein Fulltime-Job, der viel Energie kostet. Auf der anderen Seite gibt er Dir aber auch manchmal die Energie doppelt und dreifach zurück, insbesondere, wenn nach langen Diskussionen und Entscheidungen Erfolge sichtbar werden.
Es zeigt, dass sich die viele Arbeit irgendwann auszahlt, auch wenn es manchmal ein langer Weg ist. Der lange Weg ist ein gutes Stichwort. In Leer sind zuletzt viele Projekte und Pläne auf den Weg gebracht worden. Ich würde gerne als Bürgermeister dabei sein, wenn die Stadt Leer sowie die Leeranerinnen und Leeraner davon in den nächsten Jahren profitieren.
Das ist eine schwierige Frage. Und: Wenn ich jetzt alles verrate, ist es ja keine Überraschung mehr. Was ich aber sagen kann ist, dass mich ein Thema seit Langem besonders umtreibt. Es geht um ältere Menschen, die oft im Alltag aus verschiedenen Gründen, zum Beispiel durch die immer schneller fortschreitende Digitalisierung überfordert sind oder werden. Hinzu kommt oft Einsamkeit.
Ich denke, dass die Stadtverwaltung bei der Seniorenarbeit gemeinsam mit der Politik versuchen sollten, neue Wege zu gehen. Teilweise ist das auch schon passiert. Ich sehe die Aufgabe darin, noch aktiver auf Seniorinnen und Senioren zuzugehen, ihnen mehr Angebote zu machen und sie zu unterstützen. Ich bin da offen für Ideen und würde hier gerne versuchen, einen neuen Schwerpunkt zu setzen.
Auch das ist aus meiner Sicht sehr klar: Über allem steht, dass wir – so abgedroschen das auch klingen mag – alle weiterhin an einem Strang ziehen müssen. Wenn Politik und Verwaltung ein gesundes Miteinander pflegen, ist es deutlich leichter, die vielen Herausforderungen anzunehmen und gute Lösungen zu finden. Das haben die vergangenen fünf Jahre aus meiner Sicht eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Dafür bin ich dankbar, denn nur so ist es möglich, dass die Arbeit der Stadt nach außen positiv wahrgenommen wird. Genau das ist letztlich auch eine wichtige Voraussetzung dafür, dass Bürgerinnen und Bürger gerne bereit sind, sich weiterhin für ihre Stadt einzusetzen. Und: Ohne dieses bürgerschaftliche Engagement wäre die Stadt Leer nicht dort, wo sie heute steht.